Papierherstellung hat Geschichte

Papyrus

Der Name Papier kommt von der Verwendungspflanze Papyrus in Ägypten. Dabei wurde das Mark der Papyruspflanze in dünnen Streifen kreuzweise übereinandergelegt und durch Klopfen zusammengepresst. Die Blätter wurden zu längeren Rollen zusammengeklebt und es entstanden sogenannte Rollbücher.

Diese Praxis war gängig seit 2000 v. Chr. und die berühmte Bibliothek von Alexandria hatte im Jahr 250 v. Chr. 400 000 solcher Papyri oder Schriftrollen.

China - Papier

Parallel hierzu, etwa zum Zeitpunkt um Christi Geburt, entstand in China Papier in unserem Sinne.
Rohstoffe für das Papier waren Baumrinden, Bastfasern, Hanf, alte Lumpenfasern und alte Fischernetze. Die Rohstoffe wurden zerstoßen und unter Wasserzugabe der Brei auf feinmaschige Bambusmatten aufgebracht.
Beschrieben wurde dieses Herstellungsverfahren 105 n. Chr. von Tsai Lun, einem chinesischen Minister.

Interessant ist die frühe Verwendung von Papier für verschiedene Zwecke bis 650 n. Chr.

  • Verpackungsmaterial für Kräuter und Medikamente
  • Papiertaschentücher
  • Zeitungen für die Beamten des gesamten chinesischen Reiches
  • Tapetenpapier
  • Toilettenpapier und Papierservietten
  • Papiergeld als Währung

Japan

In der Folgezeit wurde das Herstellungsverfahren nach Japan exportiert. Dort wurde sehr dünnes und leichtes Papier als Luftpostpapier für das Verschicken von Nachrichten durch Brieftauben verwendet; aber auch damals schon für Papierkleidung, Fächer, Schirme und Papierblumen.

751 n. Chr. Arabischer Raum

In der Schlacht von Samarkand (Turkmenien) wurden die Chinesen vernichtend von den Arabern geschlagen. 20 000 Chinesen gerieten in Gefangenschaft, darunter auch Papiermacher. So kam das Papier in den arabischen Raum.
Der Kalif Harun al-Rashid, eine der Hauptfiguren in der Erzählung aus 1001 Nacht, nutzte Papier in seinen Kanzleien und gründete 793 n. Chr. in Bagdad eine Papierfabrik. Ab 800 n. Chr. entstand dann dort ein großer Papiermarkt mit mehr als 100 Papiergeschäften und Buchhändlern.

Europa

Über Nordafrika fand das Papier seinen Weg durch die Araber nach Spanien, wo in Valencia 1144 n. Chr. die erste europäische Papierfabrik gegründet wurde. 1280 entsteht in Fabriano die erste italienische Papiermühle, 1390 die erste Papiermühle in Deutschland und zwar in Nürnberg durch Ulman Stromer. 1455 wird die Gutenberg-Bibel gedruckt.

Reformation

Religionsgeschichte schrieb das Papier auch durch den Anschlag der 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg durch Martin Luther am 31. Oktober 1517 n. Chr. Nur durch das Papier und die neue Druckkunst wurde aus dem Gelehrtenstreit die Reformation. Weiterhin war Papier Träger der Übersetzung der Bibel ins Deutsche, ein großer Schritt hin zur Bildung des einfachen Volkes.

Deinking 1774 n. Chr.

Bis 1774 n. Chr. konnte Papier nur für Verpackungszwecke recycelt werden, da die Druckerschwärze im Papier blieb. 1774 n. Chr. erfand Justus Claproth das Deinking-Verfahren. Mit diesem Verfahren wurde und wird die Tinte auf physikalische / chemische Weise aus dem Papier entfernt. Damit kann das Papier dann wieder zu graphischen Zwecken verwendet werden.

Papiermaschine 1799 n. Chr.

Ein Meilenstein war 1799 n. Chr. die Erfindung der Papiermaschine durch den Franzosen Nicolas-Louis Robert. Anstoß war das Interesse, eine Papierbahn zu erhalten für das Verkleben als Tapete. Bis dahin musste die Tapete aus kleinen handgeschöpften Blättern zusammengesetzt werden.

Durch eine Papiermaschine konnten damals 6 Papierschöpfer ersetzt werden. Für die Papierindustrie war die Erfindung der Papiermaschine der Beginn des industriellen Zeitalters.

Rohstoffe

Die steigende Papiernachfrage führte zu Engpässen beim Rohstoff Lumpen. Zur Überwindung dieses Rohstoffmangels gelang es nach der Mitte des 19. Jahrhunderts, aus Holz durch Schleifen Holzschliff-Fasern und mit Hilfe von Chemikalien Zellstoff-Fasern zu gewinnen.

Der mengenmäßig wichtigste Rohstoff ist heute das Altpapier. Unter den Rohstoffen rangiert es mit über 60 % vor dem Zellstoff mit 18 % und dem Holzstoff mit 5 % (der Rest von rund 16 % entfällt auf Mineralstoffe und Additive).

Resümee

Aus der ehemaligen Handwerkskunst hat sich bis heute eine Hightech-Industrie entwickelt, die hoch interessante qualifizierte Berufe anbietet.

 

moderne Papiermaschine (Bildquelle: VDP, Bonn)